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Aus dem Leben eines Müllers
Die Turmholländerwindmühle
Pahrenz befindet sich im Landkreis Riesa-Großenhain, weithin sichtbar
an der Bundesstrasse 6 von Dresden nach Leipzig zwischen Meißen
und Oschatz. Die Mühle ist ein technische Denkmal. Sie steht auf
dem 141,5 m hohen Windmühlenberg am Westausgang des Ortes Pahrenz
und wurde in ihrer jetzigen Gestalt 1889 erbaut.Bereits im Jahr 1850
wurde an diesem Standort eine hölzerne Bockwindmühle errichtet,
die allerdings 1864 einem Brand zum Opfer fiel. Schon im Jahr 1865 wurde
eine Holzholländerwindmühle errichtet, die dann der Mühle
in massiver Steinbauweise weichen mußte.Die Mühle wurde ständig
auf den der jeweiligen Zeit entsprechenden neuesten technischen Stand
gebracht. Die Windmühle ist seit vier Generationen im Besitz der
Familie Jenichen. Pahrenz ist ein Ortsteil der Gemeinde Hirschstein
und hat ca. 1 Einwohner.Der Ortsname Pahrenz taucht bereits 1180 auf,
damals Parnitz geschrieben. Erläßt sich mit obersorbisch
para = Dunst, Brodem in Verbindung bringen und bedeutet im Westslawischen
wohl Morast. Der Bischof Martin gestatte in diesem Jahr, daß Pahrenz
sich von der Kirchgemeinde Leuben trennt und eine eigenständige
Kirchgemeinde mit Dörschnitz bildet. 1547 befand sich neben der
Kirche auch die Schule in Dörschnitz, die die Pahrenzer Kinder
besuchten. 18 setzte sich die Dorfbevölkerung, die grundherrlich
dem Rittergut Jahnishausen unterstand, aus 7 Bauern, 10 Gärtnern
und 9 Häuslern zusammen. Ein Häusler konnte sich nur ansiedeln,
wenn ein Bauer ein Stück Land mit dem darauf liegenden Lasten und
Diensten an ihn abtrat. Der letzte Müller von Pahrenz wurde am
12. März 1921 in Pahrenz geboren. Er starb am 12. März 1999
nach langer Krankheit in Riesa. "Nachdem der Krieg schon fast über
standen war, lag an den letzten Kriegstagen die Windmühle noch
unter Beschuß. Das Rutenkreuz, das Dach und sämtliche Fenster
waren zerschossen. Etwa 10 Granaten gingen auf die Mühle und die
Nebengebäude nieder. Anfang August 1945 begann der Mühlenbetrieb
wieder unter Zuhilfenahmeeines Elektromotors vorausgesetzt es war Strom
vorhanden. Es begann mit einigen anfänglichen Pannen. Am 8. August
1945 schlug der Blitz in die Mühle ein, wodurch eine Rute zerstört
wurde. Die Ruten waren aus Pitchpine (Pechkiefer) gefertigt, welches
sich sehr leicht in Längsrichtung spaltet. So mußte ich an
ein neues Rutenkreuz denken. Ich bestellte bei einem Holzhändler
im Erzgebirge 4 Lärchenstämme für den Flügelbau.
Leider wurde nichts daraus, so daß ich zur Metallbauweise überging.
Ich bestellte in Leipzig Bilausche Ventikanten. Anfang Dezember 1947
wurden diese geliefert und noch im selben Monat angebaut. Es wurden
24-er Bruststücke genommen und an den alten Wellkopf und die alte
hölzerne Rutenwelle gebaut. "Zu Beginn des Jahres 1948 lief
dann das Ventikantenkreuz im Wind. Aber Ende Januar 1948 brach eine
Rute ab. Die 24-er Bruststücke waren zu schwach. Das Rutenkreuz
mußte auf 26-er Bruststücke umgestellt werden, somit mußte
ein neuer 26-er Wellkopf und eine eiserne Rutenwelle gegossen werden.
Als Grundlage für diesen Umbau mußte der ganze Dachstuhl
erneuert und verstärkt werden. Die Rollbahn wurde auf das Mauerwerk
aufgesetzt und darüber ein neuer Holzkranz gezimmert. Die Vordrehung
durch die Windrose wurde auf Kettenübertragung umgestellt. Die
Bruststücke wurden am Wellkopf mit Kesselblech verstärkt.
Die Spitzen waren alle noch ganz und mußten nur an die Bruststücke
angeschraubt werden. Die Rollbahn wurde teils mit neuen Kugeln und einer
neuen Führungsschiene versehen. Der alte hölzerne Bunkel und
die Königswelle wurden auch heraus genommen, um den gesamten Windantrieb
in Stahlbauweise auszuführen." "Ende 1948 lief das Flügelkreuz
endlich im Wind. Durch einen Generator wurde auch der notwendige Lichtstrom
erzeugt. Zu dieser Zeit gab es sehr viele Stromabschaltungen. Über
Windstärke 10 mußten die Flügel angehalten werden, da
es in der Mühle meist unheimlich wurde. Bei orkanartigen Stürmen
drehte das Flügelkreuz auch unter Belastung durch Bremsband durch.
Nur durch Erhöhung der Bremskraft konnte die Mühle wieder
angehalten werden. Dazu mußte man sich auf den Bremsbalken stellen.
Fast immer lief die Mühle bei ca. 3 t Leistung bis zum April 1960.
Dann kam der Sozialismus in die Dörfer und alles Private wurde
nach und nach beseitigt. Weil ich nicht in die LPG ging, durfte kein
Mitglied mehr in meine Mühle
fahren. Erst ab 1965 wurde das Verbot aufgehoben. Von diesem Zeitpunkt
an konnte ich jede Menge Futterschrot für die LPG`s herstellen."
"Im Juni 1967 wurde die Wind mühle mit neuem Außenputz
versehen, da die Kriegsschäden noch nicht beseitigt waren. Durch
das Kreisbauamt in Riesa wurde ein Baubetrieb beauftragt. Die PGH Stauchitz
bekam den Auftrag. Ein Gerüst aus Holz wurde gestellt und der alte
Putz in Eigenleistung abgeschlagen. Dies war eine Bedingung des Bau
amtes, um die Maßnahme genehmigt zu bekommen. Das Gerüststellen,
Verputzen und das Baumaterial
kostete damals 5.000,00 DM. Das Streichen des Daches und der Flügel
wurde aller 5 Jahre ebenfalls in Eigenleistung ausgeführt."
"Nun kam die Zeit, wo an die 100-Jahrfeier der Windmühle im
Jahr 1989 gedacht wurde. Aus diesem Grund begannen wir Anfang 1986 mit
der Reparatur der Flügel. Leider waren diese so schlecht geworden,
daß fast alle Flügelteile erneuert werden mußten. Mit
finanzieller Unterstützung des Denkma schutzes wurden ein großteil
der Montagearbeiten durch Hobbybergsteiger in Feierabendtätigkeit
ausgeführt. Alle Blechteile, Dach und Ruten wurden 3 mal mit einem
neuen Farbanstrich von
den Bergsteigern versehen. Im Frühjahr 1989 gestalteten die Gemeinde
Prausitz, der Dorfklub, die POS und die LPG Prausitz und unsere Familie
gemeinsam das 100-jährige Mühlen jubiläum. Durch das
Zusammenwirken aller Beteiligten war es ein gelungenes Fest, welches
von mehreren tausend Gästen
besucht wurde.”
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